Trendige Nische: der Upcycling-Blog zweitleben.de

Foto: J.Pabst

Jane Pabst ist Redakteurin bei der Bild-Zeitung in Dresden. Das ist ihr Beruf. Ihre Berufung jedoch, das sagt sie selbst, ist eine andere: Die Berufung heißt zweitleben.de und ist ein Blog, in dem Jane seit Juli 2013 wöchentlich über Neues, Kreatives und Kurioses aus der Upcycling-Szene berichtet. Was sie an der „Aus-alt-mach-neu“-Idee so fasziniert und wie sie Beruf und Berufung unter einen Hut bringt, erklärt die Dresdnerin beim Blick ins Grüne.

Nicole: Beim Upcycling entstehen aus schönen alten Sachen noch schönere neue Sachen – wie bist du auf die Idee gekommen, darüber einen Blog zu schreiben?

Jane Pabst: Ich kann mich seit jeher schwer von alten Dingen trennen. In meiner Wohnung tummeln sich Urgroßmutters Reisekoffer und eine alte Hutschachtel, in der ich Bastelsachen verwahre, eine Retrolampe von Omi aus den 60ern und, und, und. Ich liebe das Unperfekte, das Gelebte. Wenn ich die Wahl zwischen Alt und Neu hätte, ich würde immer Alt nehmen. So entstand die Idee auf, auf einer Plattform all die Menschen zu würdigen und auch zu bündeln, die alte Dinge retten und ihnen eine neue Funktion einhauchen. Erst nach und nach bin ich darauf gestoßen, dass es dafür den Begriff Upcycling gibt. Das war mir zu Englisch, deshalb habe ich überlegt, wie man das auf Deutsch zum Ausdruck bringen könnte. So entstand der Name Zweitleben, denn all die Dinge, über die ich berichte, haben ein zweites Leben geschenkt bekommen.

Was fasziniert dich daran?

Die unheimliche Kreativität der Designer. Es gibt so lustige, ungewöhnliche und witzige Produktideen, die mich immer wieder erheitern. Zum Beispiel, wenn aus einem defekten Schwimmflügel eine Vase wird oder aus benutzten Prothesen Kunstfiguren. Und ich freu mich auch, wenn mir selbst wieder etwas Witziges einfällt, wie neulich mit meiner Tapetenreste-Pinnwand oder meiner Hakenleiste.

Wie findest du deine Themen – oder finden sie dich?

Anfangs habe ich mir genau darüber den Kopf zerbrochen: Wie soll ich nur jede Woche ein Thema finden? Heute weiß ich, dass ich jede Woche mindestens zwei Artikel schreiben könnte, wenn ich das zeitlich schaffen würde. Angefangen habe ich in meiner näheren Umgebung. In meiner Tankstelle in der Waschanlage zum Beispiel hatten die Mitarbeiter aus dem Schraubverschluss einer Plastikflasche eine Halterung gebaut, durch die sie die Antenne stecken. Das habe ich nachgebaut, um herauszufinden, ob das bei mir auch funktioniert. Dann hab ich mich auf Messen umgesehen und auch selbst überlegt, was ich basteln könnte. Und nach und nach kamen dann die ersten Anfragen von Leuten, die mich baten, über sie zu schreiben. Und es werden immer mehr, ich komme kaum dazu, sie alle zu bearbeiten.

Zweitleben ist ja momentan „nur“ dein (unbezahlter) Zweitjob. Wie organisierst du das?

Ich investiere viel Zeit in Zweitleben. Ich habe meine Arbeitszeit um einen Tag reduziert, um genau das zu tun. All meine Beiträge sind aufwendig journalistisch aufbereitet. Ich bereite meine Interviews vor, fahre zu den Upcyclern oftmals auch hin, schaue mich um, mache selber Fotos, schreibe danach den Artikel und bearbeite die Bilder. Alles in allem brauche ich einen Tag für einen Beitrag. Zunehmend sitze ich auch nach der Arbeit oder am Wochenende über meinen Blog, lese im Internet über andere Blogger, die Upcycling-Szene und überlege, wie ich den Blog ausbauen könnte.

Könnte daraus auch ein Geschäftsmodell werden?

Das hoffe ich schon, denn das würde all den Aufwand, die Liebe und Mühe, die in jedem Artikel stecken, würdigen. Ich verzeichne stetig steigende Besucherzahlen, obwohl das Upcycling-Thema eine Nische ist. Aber diese Nische ist gerade sehr trendy, weil sie nachhaltig ist und zudem Spaß macht. Gepaart mit einem professionellen Layout und gutem Content dürfte ich für Firmen durchaus interessant sein. Mein Traum wäre es auf jeden Fall, davon leben zu können, da es ja meine Berufung ist…