Ohne Drumherum: Anna Wahalas Unverpackt-Laden in Heidelberg

Im Sommer hat Anna Wahala ihren Traum verwirklicht und in Heidelberg den ersten Unverpackt-Laden der Rhein-Neckar-Region eröffnet – plastikfrei und bio. Lange erklären musste sie den Kurpfälzern ihr Anti-Müll-Konzept nicht.

Anna Wahala

Anna Wahala verkauft nur Unverpacktes.

Ich habe mir ein Stück Shampoo gekauft. Keine Flasche mit Shampoo, keine Tube mit Shampoo. Nur einfach Shampoo – duftend nach Verbene und geformt wie eine Handseife. Verpackung? Keine. Anna Wahala heißt die Frau, die mir mein Shampoo-Stück verkauft hat. Seit Sommer betreibt die Wahl-Heidelbergerin im Stadtteil Neuenheim ein Lebensmittelgeschäft, das ohne Plastikverpackungen auskommt. Das erste dieser Art in der Region.

Ein moderner Krämerladen

„Annas Unverpacktes“ steht in großen Lettern am Schaufenster der ehemaligen Bäckerei in der Ladenburger Straße. Der Name ist Programm: Reis und Cornflakes, Linsen und Lasagneplatten, Schokolade und Spülmittel gibt es nicht wie üblich abgepackt in Kartons oder Plastikfolie, sondern lose. Aus Spendern an der Wand rieseln Reis und Mais und Kürbiskerne in mitgebrachte Dosen. Aus riesigen Gebinden füllt Anna Wahala die leeren Seifenspender und Waschmittelflaschen ihrer Kunden wieder auf. Ein Krämerlädchen im 21. Jahrhundert, plastikverpackungsfrei und bio.

Schoki unverpackt

Schokolade aus dem Glas.

Der Unverpackt-Laden war der Traum der 31-Jährigen – und offenbar auch der Wunsch vieler Heidelberger. „Immer wieder kommen Kunden, die sagen, auf so ein Geschäft hätten sie schon lange gewartet“, erzählt Wahala, die internationales Management studiert hat. Für eine Zwischenbilanz ist es der Jung-Unternehmerin noch zu früh, doch mit der Resonanz der ersten Monate ist sie mehr als zufrieden. „Ich dachte es dauert viel länger, die Kunden an das Unverpackt-Prinzip zu gewöhnen“, sagt sie. Mit anderen Plastikfrei-Pionieren wie Original Unverpackt in Berlin, unverpackt Mainz oder unverpackt Kiel  ist Wahala (noch) nicht in Kontakt. Keine Zeit. Die Organisation ihres Geschäfts nimmt sie momentan vollständig in Anspruch. Die Einzelhändlerin bezieht ihre Waren von ganz unterschiedlichen Lieferanten. Doch nicht alles, so ihre Erfahrung, sei problemlos in großen Gebinden zu beziehen.

Ergänzung statt Konkurrenz

Ein Komplett-Sortiment wie im Supermarkt finden die Kunden bei „Anna Unverpacktes“ nicht vor. Aber das ist auch nicht der Anspruch von Anna Wahala. Vor allem Grundnahrungsmittel, Gewürze und einiges an Süßigkeiten sind bei ihr derzeit zu bekommen. Außerdem Reinigungsmittel und Seife (und natürlich Shampoo). Wer keine eigenen Gläser oder Dosen zum Abfüllen mitgebracht hat, kann sich auch damit vor Ort eindecken. Ihr Sortiment erweitern will Anna Wahala wenn dann nur behutsam. Eine Frische- oder Gemüsetheke wird es bei ihr nicht geben. „Gemüse gibt es in Neuenheim zweimal die Woche auf dem Markt – unverpackt“, sagt sie. „Ich will keine Konkurrenzsituation schaffen, sondern eine Ergänzung bieten.“